Gebaut wurde es Anfang des 2. Weltkriegs bei den Geier-Werken in Lengerich, mit der Rahmennummer 286099, in einer an das Gempt-Gelände angrenzenden Halle. Die Geier-Werke bauten von 1910 bis 1967 Zweiräder mit und ohne Motor, darunter auch Mofas für den Versandhandel Neckermann. Im Jahr 1967 meldete Geier Konkurs an. Durch die Wirren des 2. Weltkriegs oder andere Umstände, fand sich das Fahrrad vermutlich um 1950 in Frankfurt an der Oder in der Fahrradwerkstatt „Edelgard“ wieder. Aufgrund eines mutmaßlich schlechten Zustands erhielt es dort einen neuen Lenker, eine Fichtel-&-Sachs-Torpedo-Radnabe (Baujahr 1949), eine neue Bremse und noch vieles mehr.
Nachdem seine Räder für den realexistierenden Sozialismus rollten, fand es sich in einem Berliner Keller wieder, von wo es, lange nach dem Fall der Mauer zwischen DDR und Bundesrepublik bzw. Berlin-West, durch umsichtige Personen im zwar nicht mehr fahrbereiten, aber vollständigen Zustand an unser Museum übergeben wurde. Nun steht es neben einer Vielzahl von Feldbahnlokomotiven, welche ähnlich spektakuläre Biografien aufweisen können, als Zeuge von Krieg, Trennung, Frieden und Wiedervereinigung.
Danke an Herrn Kurt Niemeyer für die Unterstützung bei der Spurensuche.



