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Kleine Feldbahnkunde

Lieber Leser,

für manchen von Ihnen - besonders für die Kinder - findet die erste Begegnung mit der Feldbahn in unserem Museum statt. Dann stellt sich die Frage: Was sind eigentlich Feldbahnen und wofür wurden sie eingesetzt? Eine einfache Gleichung bringt die Sache auf den Punkt und beschreibt auch ein früheres Haupteinsatzgebiet:

Feld + Bahn = Feldbahn = schmalspurige, leicht verlegbare Bahnen, die dem Transport von Feldfrüchten, Holz, Sand, Ton und vielen anderen Gütern dienten.

Dabei fing es ursprünglich gar nicht auf den Feldern, sondern unter der Erde an.

Schon 1556 beschrieb AGRICOLA in seinem Buch über das Bergwerks- und Hüttenwesen den "Spurnagelhunt" als einen hölzernen Transportkasten mit Rädern und einem Führungsstift, der ihn auf hölzernen Schienen spurtreu durch die Stollen der Harzer Silberbergwerke führte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses System weiter perfektioniert, eiserne Schienen kamen zum Einsatz, und auch über Tage gab es immer neue Aufgaben für diese kleinen Bahnen.

Den richtigen Durchbruch brachte jedoch der Einsatz in der Landwirtschaft, dem ein Franzose namens Paul Decauville zur ungeahnten Blüte verhalf. Zunächst konstruierte er im Jahr 1875 nur für den Eigenbedarf ein transportables, leicht verlegbares System von Schienenbahnen, um im Herbst die Zuckerrüben von den aufgeweichten Feldern zu seinen Zuckerfabriken zu schaffen. Dieses System bewährte sich so gut, dass er 1876 in Petit Bourg bei Paris seine erste Fabrik für die serienmäßige Produktion von "Feldbahnen" gründete.

Gegen 1880 folgten verschiedene deutsche Hersteller und der Siegeszug der Feldbahnen war nicht mehr aufzuhalten. Mit zunehmender Industrialisierung kamen weitere Einsatzbereiche hinzu.

Neben der Landwirtschaft fand man sie in den Wäldern zum Holztransport, in Sand- und Tongruben, in Steinbrüchen, bei der Moorkultivierung, zum internen Transport in Industrie- betrieben, als Baufeldbahnen (z.B. beim Reichsautobahnbau), im Krieg zum Transport von Soldaten und Material und danach als Trümmerbahnen zum Transport des Schutts aus den zerbombten Städten.

Auch in und um Lengerich gab es bereits ab 1886 kilometerlange Feldbahnen mit Lokbetrieb in den Steinbrüchen der Kalk- und Zementwerke.

Jung-Lok mit Kalkeinsatzwagen im Steinbruch des Kalkwerks Tecklenburg.

Das Ende der Feldbahnen begann in den 50er Jahren. Immer mehr LKWs, Traktoren, Förderbänder und Gabelstapler machten den kleinen Bahnen ihre Existenz streitig und so fuhr 1966 auch der letzte Feldbahnzug im Lengericher Dyckerhoff - Steinbruch.

Heute findet man sie nur noch in ganz wenigen Tongruben und in Moorgebieten - eben dort, wo der Untergrund wenig tragfähig ist.

Damit die Feldbahnen nicht ganz in Vergessenheit geraten, haben wir uns Anfang der 80er Jahre entschlossen, wenigstens einige Vertreter dieser aussterbenden Spezies im

WESTFÄLISCHEN FELDBAHNMUSEUM LENGERICH

der Nachwelt zu erhalten.